Jenny Erpenbeck – Wörterbuch

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“Die Erinnerung hernehmen wie ein Messer und es gegen sie selbst richten, die
Erinnerung abstechen mit der Erinnerung.”

“Ihr Vater habe ihr die Wahrheit erzählt, sagt sie zu Anna. Sie wisse jetzt
alles. So, sagt Anna. Und, sagt sie, sie liebe die Wahrheit.” Freilich ist diese Wahrheit eine, die nicht leicht zu lieben ist – denn das Mädchen wächst zwar wohlbehütet in einer Stadt auf, die aber wird immer freud- und lebloser, je länger die Zeit fortschreitet. Während das Mädchen Klavier spielt oder sich mit ihrer Freundin Anna unterhält, platzen draußen Reifen, die auch als Schüsse interpretiert werden können. Und während es mit ihrer Amme die Standbilder einer Heiligen aufsucht, verschwinden Bekannte und Freunde, und in den Statuen, die bald die immer leerer werdenden öffentlichen Plätze beherrschen, erkennt es die Freunde ihres Vaters. Je älter es wird, desto fester muß es die Augen verschließen, um nicht mitzubekommen, welcher Art die harte Arbeit ist, die ihr wahrheitsliebender Vater hinter den undurchdringlichen Mauern des Staatsgefängnisses verrichtet. Sie merkt, daß sich viele Geheimnisse um ihr Leben ranken. Und sie ahnt, daß sie keines der Geheimnisse wirklich kennen will.

Jenny Erpenbeck gelingt ein sprachlicher Balanceakt, in dem sich Grauen und Schönheit – nur durch eine hauchdünne Naht getrennt – aneinanderschmiegen und in dem selbst das Ungesagte eine sprachliche Wucht sondergleichen erhält.

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